Erkenntnisstand vom 23.6.2011

 

   Gedächtnisprotokoll von Werner Neymayer

 

Ausnahmslos sind alle Angaben in diesem Schreiben durch Akten, Briefe, Lieferscheine, Fracht- und Schiffspapiere, handgeschriebene Notizen, Geschäftsunterlagen, Bankbelege und vieles mehr beweisbar. Es sind auch Videoaufzeichnungen auf VHS Basis vorhanden, welche am Krankenbett von Baroness Elisabeth Charlotte (Lieselotte) Ritter von Bitter, geboren am 25.3.1910 - verstorben am 12.7.1996 (Anlage 1), mit ihrer ausdrücklichen Einwilligung im Zuge ihrer Erzählungen, aufgenommen wurden. Nach ihrer Heirat führte sie als Elisabeth Batka den Familiennamen ihres Gatten, den sie bis zu ihrem Tode behielt. In diesem Schreiben werde ich sie ausschließlich als Frau Batka benennen.

 

Dr. Franz Radl (geb. 11.9.1863, verstorben 30.4.1945), Gemeindearzt in 3021 Pressbaum, war der Onkel von Karl F. Lütgendorf. Als Eigentümer der Liegenschaft, Einlagezahl 321 des Grundbuches der Katastralgemeinde 01905 (PLZ 3021) Pressbaum, bestehend aus den Grundstücken Nr. 10/3 Baufläche (begrünt), Nr. 23/7 Baufläche (begrünt) und Nr. 303 Baufläche (Gebäude), Hauptstrasse 20, im Katastralausmaß von 1.662 (eintausendsechshundertzweiundsechzig) Quadratmetern, räumte er der Familie Ritter von Bitter ein Vorkaufsrecht ein, da sich die Familien Radl und Bitter freundschaftlich intensiv verbunden fühlten. Die Familie Ritter von Bitter bewohnte auch einen Teil des Hauses seit mindestens 1888.

 

Im Zuge von familiären Besuchen bei seinem Onkel, kam Karl F. Lütgendorf in Kontakt mit Elisabeth Batka. Mehrere Wochen im Sommer alleine und während seine Eltern bei Dr. Radl aufhältig waren, genoss er mit Elisabeth Batka unbeschwerte Stunden in Pressbaum.

 

Der Großvater von Elisabeth Batka, August Ritter von Bitter sen. (Prokurist der Anglo-Österr. Bank) war Gründungsmitglied des 1898 gegründeten „Spar-  u. Darlehenskassenverein für Pressbaum und Umgebung registrierte Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung", heute besser bekannt als „Raiffeisenbank Wienerwald". Als Gründungsmitglied führte er die Kontonummer 6 (sechs), welche innerhalb der Familie weitergegeben wurde und Frau Batka bis zu ihrem Tode inne hatte.

 

Der Vater von Frau Batka, August Ritter von Bitter jun. (ebenso wie sein Vater Prokurist der Anglo-Österr. Bank) war von 1945 bis 1962 Obmann der „Raiffeisenbank Wienerwald". Die Familie Ritter von Bitter verfügte über ein angesehenes Netzwerk im Bankenwesen.

 

Frau Batka absolvierte an der Universität Wien, Bilanz und Steuerlehrgänge. Bereits in frühen Jahren machte sie sich als Unternehmerin selbständig. Sie firmierte in Wien 7, Kirchengasse 15, unter „Lieselott"  und betrieb ein gut sortiertes Haushaltswarengeschäft. Mit dem seit ihren Kindheitstagen bekannten Karl F. Lütgendorf verband sie, wie aus zahlreichen Briefen hervorgeht, eine tiefe und innige Freundschaft, da eine große Interessensgemeinschaft auf zahlreichen Gebieten bestand. Karl F. Lütgendorf schätzte neben ihrer Schönheit (Anlage 2) vor allem ihren glasklaren, unternehmerisch denkenden, für geschäftliches aufgeschlossenen Verstand. Auch ihre Auftritte am Stadttheater Baden fanden seine Anerkennung.

 

Unverschuldet musste Frau Batka am 9.2.1934, im 24. Lebensjahr, mit ihrem Haushaltswarengeschäft „Lieselott" Konkurs anmelden. Um der Ächtung von Gesellschaft und Familie zu entgehen, bat sie ihren Freund, den damaligen 20-jährigen Karl F. Lütgendorf um finanzielle Hilfe, welche er auch in verschiedenen zinsenlosen Beträgen leistete. Ab diesem Zeitpunkt war sie Karl F. Lütgendorf in ewiger Dankbarkeit verbunden. Drei Jahre danach hatte sie sämtliche Rückstände wieder beglichen.

 

Nach dem Tod von Dr. Radl (30.4.1945), mit dem Karl F. Lütgendorf einen engen Kontakt durch zahlreiche Besuche in Pressbaum pflegte, erbte Karl F. Lütgendorf das Anwesen in Pressbaum, welches neben einer großen Grünanlage, aus einer 2-geschossigen Villa und einem Nebengebäude bestand (Anlage 3). 1950 entschloss er sich dazu es zu verkaufen und einigte sich mit der Familie Ritter von Bitter über den Kaufpreis (Anlage 4), da diese über ein Vorkaufsrecht auf die Liegenschaft verfügten.

 

Frau Batka gründete mit ihrem Gatten (ebenfalls im Steuerwesen tätig, Heirat am 23.12.1939) eine Kanzlei in Wien 1, Elisabethstrasse 24, welche unter der damals üblichen Bezeichnung „Helfer in Buchführung und Steuersachen" geführt wurde. Diesen Standort gab sie erst mit 31.8.1967 auf und verlegte ihre Kanzlei nach 3021 Pressbaum, Hauptstrasse 20, um ihre Eltern (Mutter verstorben 22.12.1970, Vater verstorben 8.9.1971) zu versorgen.

 

Bis zu seinem Ableben unterstützte sie Karl F. Lütgendorf bei seinen Unternehmungen als wirtschaftlich Berechtigte im Hintergrund und stand ihm beratend zur Seite, wobei ihr das Netzwerk ihres Vaters, August Ritter von  Bitter jun., sehr behilflich war. Auch grenzgängige geschäftliche Bereiche von zweifelhaften Ruf und teils strafbaren Belangen waren ihr nicht fremd und wurden zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigt.

 

Ihr ging die Freundschaft über alles, auch profitierte sie enorm von den Umsätzen über ihre Kanzlei. Sie errichtete, unter verschiedenen Namen, für ihn bei der Raiffeisenbank Wienerwald, 11 Konten, auf denen nationale und internationale Zahlungsflüsse stattfanden. Auch 18 Konten für Geschäftspartner und Freunde von Karl F. Lütgendorf wurden angelegt. Durch ihren Vater, als Obmann der Raiffeisenbank Wienerwald und seine Beziehungen auch nach dieser Zeit, war es ihr ein Leichtes, für diese Konten fiktive Namen zu verwenden. Da Mitarbeiter der Raiffeisenbank Wienerwald der Familie Ritter von Bitter sehr verbunden waren, wurde keine, sonst üblichen, Überprüfungen der Personalien durchgeführt. Aus ihren Unterlagen ist jedoch klar ersichtlich für wen welches Konto angelegt wurde. Das letzte dieser Konten wurde 1988 geschlossen.

 

Im Juli 1959 schlitterte Frau Batka in eine persönliche Krise als sie ihren Gatten der Untreue überführte. In der Zeit bis zur Scheidung im  Oktober 1959 und auch nach erfolgter, stand ihr Karl F. Lütgendorf intensiv freundschaftlich zur Seite. Obwohl diese Freundschaft in eine 201 (zweihundertein) Tage dauernde intime Beziehung mündete, zerbrach daran nicht ihre Freundschaft, sondern festigte sie nur noch.

 

Am 25.6.1962 erwarb sie das Grundstück in Wien 7, Burggasse 62 (Einlagezahl 172, Grundstücksnummer 808) an dem ein weiterer Standort ihrer Kanzlei eröffnet wurde.

 

Mit 20.4.1963 erwarb sie 51% der Fa. Weidner & Co, welche unter Fa. Weico geführt wurde. Es handelte sich dabei um ein Großhandelsunternehmen für Installateurbedarf. Karl F. Lütgendorf benutze dieses Unternehmen, sowie die ebenfalls gegründete „Elisabeth Batka GmbH" mit tatkräftiger Unterstützung von Frau Batka, um Lieferungen und andere geschäftliche Tätigkeiten für sich und seine Partner durchzuführen, bzw. zu verschleiern.

 

Ab 1969 bis zu seinem Ableben 1981 lagerte Karl F. Lütgendorf heikle Briefe, handschriftliche Notizen, Akten, Papiere, Lieferscheine, Belege usw. bei Frau Batka in Pressbaum ein, da er ihr vorbehaltlos vertraute.

 

Auch nach seinem Tode, der sie ins Innerste traf, bis 1988, regelte Frau Batka für Karl F. Lütgendorf die noch offenen geschäftlichen Bereiche. Da sie bei zahlreichen Besprechungen von Karl F. Lütgendorf beigezogen wurde, kannte sie einige seiner Geschäftspartner persönlich. Diese nahmen nach seinem Ableben mit ihr Kontakt auf und unterstützen sie bei den Abschlußvorhaben. Mit 17.8.1988 ist das letzte Schreiben datiert.

 

Selbst lernte ich Frau Batka bereits als kleines Kind kennen, da mein Großvater bei ihr in Pressbaum, Hauptstrasse 20, im Nebengebäude als Hausmeister bis zu seinem Tode eine Dienstwohnung hatte. An schönen Tagen verbrachten wir gemeinsam im großen Garten viel Zeit. Kleine Aufmerksamkeiten erhielt ich von ihr an Geburts- und Festtagen, da schon immer die Chemie zwischen uns stimmte. Sie verfolgte mein Leben genau. Als ich am 6.7.1981 eine Lehre als Gas-Wasserinstallateur begann, war sie sehr erfreut. Damals wusste ich noch nichts von ihren Aktivitäten im Installateur-Großhandelsbereich, aber ab diesem Zeitpunkt wurde ich von ihr mit allen Reparaturarbeiten, welche am Grundstück anfielen, beauftragt. Sämtliche Fachbegriffe aus dieser Sparte waren ihr vertraut.

 

Eine Begebenheit hat sich besonders in mein Gedächtnis eingeprägt. Dies deshalb, da ich Frau Batka nur als sehr gepflegte und mit Charisma gesegnete Frau kannte. Am Wochenendbeginn, einem Freitag mehrere Tage nach dem Tod Karl F. Lütgendorf (9.10.1981), musste ich bei Frau Batka ein Abflußgebrechen in der Küche beheben. Da ich Freitags immer ab 14 Uhr Zeit hatte und Geschäfte für evtl. Ersatzteile am Nachmittag noch geöffnet waren, begann ich mit Reparaturarbeiten immer zu dieser Zeit. Der Bleisyphon war gerissen. Als sie die Türe öffnete erschrak ich. Vor mir stand eine gebrochene Frau. Die Kleidung sah aus, als hätte sie diese mehrere Nächte nicht ausgezogen. Da ich durch meine Rot Kreuz Ausbildung in Altenpflege geschult war, konnte ich erkennen, dass sie Hilfe brauchte, einfach jemanden zum Zuhören.

 

Von ca. 14.00 Uhr bis 3 Uhr früh erzählte sie mir Ereignisse die ich, auch von ihr, nie für möglich gehalten hätte. So kannte ich sie nicht. Aber wegen ihrer immer wiederkehrenden Weinkrämpfe versuchte ich einfach nur ein guter Zuhörer zu sein und ich hatte das Gefühl, ihr auf diese Art Hilfestellung geben zu können. Sie lebte ja sehr zurückgezogen, bewusst gesund und hatte mit Nachbarn nie Kontakt, bis auf das Übliche. Von 1945 bis 1994 war sie bei keinem Arzt, ausgenommen bis zum Ableben von Dr. Radl, in Behandlung. Aber in diesem Moment, wo ich bei ihr saß und zuhörte, veränderte sie auch mein Leben. Nicht schlagartig, aber nachhaltig. Damals war mir das aber noch nicht bewusst.

 

Gegen 3 Uhr früh am nächsten Tag, merkten wir erst wie spät es eigentlich war. Sie lud mich ein, bei ihr im Wohnzimmer zu übernachten. Zu Mittag des folgenden Tages, lud sie mich zum ersten Mal zum Essen ein. Die nächsten Tage schaute ich immer öfters bei ihr vorbei und sie festigte sich zusehends, so wie ich sie kannte. Aber sie dankte mir mehrmals dafür, dass ich für sie da war, als sie jemanden brauchte.

 

Mit 18 Jahren (1985) kam ich zum ersten Mal ernstlich mit dem Gesetz in Konflikt. Aus Liebeskummer war ich an einem Postüberfall beteiligt. Frau Batka war zuerst von der Nachricht, dass ich in Haft war, sehr betroffen. Als sie jedoch die Hintergründe erfuhr, ließ sie mir über meinen Bruder Mut zusprechen und unterstützte mich finanziell mit geringen Beträgen.

 

In jener Zeit dachte ich intensiv über Frau Batka und ihre Lebensphilosophie nach und eignete mir einige ihrer Grundsätze an. Ihr Lebensbeispiel wurde zu meinem Vorbild. Mein Respekt ihr gegenüber war so groß, das wir ausschließlich per „Sie" verkehrten, obwohl sie mir mehrmals das „Du" anbot. Für mich war sie die Personifizierung einer „Dame".

 

Während meines Aufenthaltes in der Justizanstalt Hirtenberg, traten zum ersten Mal die Behörden an mich heran. Ich wurde beauftragt, Informationen über einen ehemaligen Richter, glaublich aus Korneuburg zu sammeln und weiter zu leiten.

 

Nach meiner Entlassung (6.11.1986) traf ich Frau Batka wieder. Mein Großvater war im selben Jahr verstorben. Wir führten die Zeit danach lange Gespräche und ich konnte mit ihr so offen reden, wie mit keinem anderen Menschen. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich einfach wohl und sie empfand meine genau so.

 

Ich bekam mein Leben wieder in den Griff, arbeitete sehr hart und ging zahlreichen Nebenerwerben nach. Unmittelbar nach meiner Entlassung aus der Haft hatte ich auch wieder einen Arbeitsplatz gefunden, bei einem Installateur und Brunnenbauer in Pressbaum, wo früher schon mein Vater tätig war. In den Mittagspausen ging ich immer wieder zu Frau Batka, sowie des Öfteren am Abend. Ich erzählte ihr von meinem Sohn und meiner damaligen Frau, also alles aus meinem Leben. Ich vertraute ihr blind. Diese Offenheit schätze sie an mir.

 

Am 23.12.1989 nahmen die Behörden abermals mit mir Kontakt auf und ich wurde integriert. Bis 2004 erfüllte ich diverse Aufgaben in verschiedensten Bereichen. Anfang 2007 habe ich die wichtigsten rekonstruieren können. Dies deshalb, da ich mir die Grundsätze von Frau Batka zu Eigen machte und seit 1992 alles in Tageskalendern festhielt. Für Außenstehende sind meine Aufzeichnungen nur als unbedeutende Notizen erkennbar, aber ich wusste was sie beschrieben. Nicht einmal mein Strafverteidiger kennt meine Tätigkeiten für die Behörden, da sie für das laufende Verfahren bis jetzt nicht relevant waren.

 

Ab 14.9.1992 stellte mich Frau Batka als Hausmeister bei ihr ein. Der Gehalt war gering, aber ich konnte die kostenlose Dienstwohnung im Nebengebäude ihres Grundstückes benutzen. Ab dieser Zeit wurde der Kontakt zwischen uns noch enger. Da ich zwischenzeitlich geschieden war und Vater von zwei Söhnen, die regelmäßig an den Wochenenden mit mir Zeit verbrachten, bezog ich sie in meine Familie mit ein. Alle meine wechselnden Partnerinnen wurden ihr vorgestellt und ich bat sie um Beurteilungen derselben. Vor allem erbat ich ihre Beratung in unternehmerischen Belangen, da ich beabsichtige mich selbständig zu machen. Sie bestärkte mich in meinem Vorhaben und gab mir sehr gute Ratschläge.

 

Meine wirtschaftliche Entwicklung steigerte sich enorm. Am 22.3.1993 kaufte ich meinen ersten Lastkraftwagen, der den bis dahin in Verwendung stehenden Kleintransporter ersetzte. Frau Batka verfolgte alles gewissermaßen hautnah mit und freute sich aufrichtig über jeden meiner Erfolge.

 

Am 26.10.1993 traf ich erstmalig meine jetzige Frau Gerlinde. Ein paar Tage später stellte ich ihr Frau Batka vor. Diese war von meiner exzellenten Auswahl begeistert, als sie mit Gerlinde bekannt gemacht wurde.

 

Am 14.1.1994 erklärte ich Frau Batka, dass ich mit meinem LKW Lebensmittel ins Kriegsgebiet nach Bosnien bringen werde. Ihre Sorge um mich war sehr groß. Gerlinde hielt sie über meine Reise am laufendem (Anlage 5). Nach meiner Rückkehr verbrachten wir sehr viel Zeit miteinander. Sie nahm mich immer mehr, sozusagen als ihren Sohn an und machte sich Gedanken über ihren Lebensabend. Sie wollte nicht in ein Altersheim oder in gleichartige Einrichtungen. Da sie keine Verwandten mehr hatte und unversorgt wäre, versprach ich ihr, dass Gerlinde und ich sie befürsorgen würden, wenn die Zeit kam.

 

In Dankbarkeit wollte sie mir ihr gesamtes Grundstück schenken, was ich aber ablehnte, da ich als Unternehmer in der Region die üble Nachrede fürchtete und diese als existenzbedrohend empfand. Deshalb bot ich ihr an, dass gesamte Anwesen um ATS 2.500.000,-- zu kaufen. Uns beiden war bewusst, dass dies weit unter dem wahren Wert lag. Am 15.11.1994 wurde der Notariatsakt unterzeichnet. Danach begannen die ersten Problem mit Mietern im Hause von Frau Batka, die sich Hoffnungen auf das Erbe machten, da ja bekannt war, dass Frau Batka keine Angehörigen mehr hatte. Sogar eine Tante von mir zeigte Frau Batka beim Bezirksgericht Purkersdorf an und wollte damit erreichen, dass diese unter Sachwalterschaft gestellt werde. Über die Vorgehensweise der einzelnen Personen war Frau Batka sehr gekränkt und schockiert, da es Menschen waren, denen sie Zeit ihres Lebens geholfen hatte. Der vom Gericht bestellte Gutachter befand, dass Frau Batka trotz ihrer 84 Jahren ein Gedächtnis hatte, an das keine 30-jährige herankommen würde. Durch lebenslanges Arbeiten mit Zahlen in Steuerfragen und als unternehmerisch tätige Frau, konnte sie den gerichtlichen Gutachter beeindrucken. Ihr wurde in einem schriftlichen Gutachten volle Handlungsfähigkeit adjuziert, weshalb ihre Erzählungen als absolut glaubwürdig einzustufen sind.

 

In dieser Zeit stand ich ihr eng zur Seite, hielt allen Ärger so gut es ging von ihr fern. Darüber war sie sehr dankbar und glücklich. Für mich wurde es zur Lebensaufgabe für diese Frau da zu sein. Die plötzlich ausbrechenden Anfeindungen schwächten ihren Körper und sie wurde bettlägerig. Meine Gattin und ich hielten unser Wort und versorgten Frau Batka, wie Überprüfungen der BH Wien-Umgebung ergaben, vorbildlich (Anlage 6). Durch meine Kenntnisse in der Altenpflege, über Ausbildungseinheiten beim Roten Kreuz, wo ich auch das Wechseln von Windeln bei Erwachsenen erlernte, sowie auch das Reinigen der Intimbereiche, gab es nichts mehr, was zwischen Frau Batka und mir stand. Sie legte den letzten Rest an Zurückhaltung ab, vertraut mir voll und ganz und war glücklich in Ruhe ihren Lebensabend verbringen zu können.

 

Ihr war es ein großes Anliegen sich alles von der Seele reden zu können, da sie nicht sonderlich gläubig war. Als sie mir alles, und ich meine wirklich alles, zu erzählen begann, erkannte ich die Tragweite dieser Schilderungen. Ich bat sie um ihr Einverständnis alles auf Video aufzeichnen zu dürfen, da mir das sonst nie jemand glauben würde. Sie gab ihre Zustimmung und erleichterte ihr Gewissen. Da sie stets äußerst genau alles aufbewahrte, angefangen vom kleinsten Postaufgabezettel und wenn notwenig mit persönlichen Notizen versah, kam ein umfangreiches Archiv zustande. Sie erklärte mir wo ich die Unterlagen bezüglich der Geschäfte von und mit Karl F. Lütgendorf finden würde. Ich sollte aber erst nach ihrem Tode darin Einblick nehmen. Das respektierte ich, so wie jeden Wunsch von ihr.

 

Noch bevor ich meine Gattin Gerlinde kirchlich ehelichte, setzte Frau Batka sie als alleinige Erbin ihres Nachlasses ein. Am 27.11.1995 entschlossen sich Frau Batka und ich, das Anwesen in Pressbaum, Hauptstraße 20, zu verkaufen und nach Purkersdorf zu übersiedeln, da die Feindseligkeiten kein Ende nahmen.

 

Den Verkaufserlös von ATS 6.300.000,-- investierten wir in mein Unternehmen. Für Frau Batka wurde an unserem neuem Wohnort ein Raum für ihre Bedürfnisse adaptiert, moderne Krankenbehelfe angeschafft, um ihr den Lebensabend so schön und ruhig wie nur möglich zu gestalten. Frau Elisabeth Batka verstarb am 12.7.1996 in unserer Eigentumswohnung in 3002 Purkersdorf, Kaiser Josef Straße 4.

 

Auch heute, noch 15 Jahre später, pflegen wir ihre Grabstätte am Friedhof in Pressbaum, wo sie bei ihren Eltern die letzte Ruhe gefunden hat. Unsere Tochter welche am 31.12.1998 auf die Welt kam, bekam im Gedenken an Frau Batka, den Taufnamen Elisabeth.

 

Vom Nachlassgericht wurden meiner Gattin als Erbin, sämtliche Unterlagen zugesprochen und ausgefolgt. Auch das Archiv (Einantwortungsurkunde vom 1.10.1997). Bei Sichtung der Unterlagen bewahrheiteten sich die Angaben von Frau Batka. In den detaillierten Unterlagen sind unter vielen weiteren, auch alle Namen zu finden, die aus den Medien im Zusammenhang mit Karl F. Lütgendorf bekannt sind.

 

Da meine Gattin als bodenständiger Typ immer den Standpunkt vertrat, sie möchte darüber am Besten gar nichts wissen, war sie damit einverstanden, dass ich ihr nichts über den Inhalt der Unterlagen erzählte.

 

Durch den Artikel vom 3.5.2011 in der Kronen Zeitung erfuhr ich erstmals von den Schicksalen der Geschäftspartner und Mitwisser der Unternehmungen des Karl F. Lütgendorf. In wie weit das mich betrifft entnehmen sie den nachfolgenden Tatsachen, welche durch Gerichtsakten belegbar sind. Diese sind teilweise auf der Homepage www.stoepselkind.at veröffentlicht.

 

Ab 14.7.1996 waren die Behörden informiert, dass ich im Besitz des Archivs bin. Noch am selben Tag, ca. 4 Stunden später wollten 4 Personen die Unterlagen aus meiner Lagerhalle in 3012 Wolfsgraben, Hauptstraße 6, in der ich den gesamten Nachlass von Frau Batka seit unserem Umzug nach Purkersdorf lagerte, abholen und drängten auf die Ausfolgung. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Verlassenschaft noch nicht abgeschlossen, also verweigerte ich die Herausgabe, außerdem war laut Testament meine Gattin alleinige Erbin. Da es fast zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre, was nur durch den Umstand verhindert wurde, da sich auch noch andere Personen auf dem Areal befanden und auf uns aufmerksam wurden, zogen sie wieder ab.

 

Ich hatte kein gutes Gefühl, deshalb nahm ich alle Unterlagen, ohne sie detailliert gelesen zu haben, da ich teilweise die Handschriften nicht entziffern konnte, verbrachte sie an einen Ort wo sie trocken und sicher eingelagert wurden und den ich nur in Ausnahmefällen aufsuchte. Denn ich war überzeugter Sozialist und später Mitglied der SPÖ. Selbst als ich in finanziellen Schwierigkeiten war und mir der Erlös eines Verkaufes des Archivs alle Probleme abgenommen hätte, widerstand ich der Versuchung. Um meine Gattin zu schützen, teilte ich ihr bisher nicht mit, wo sich die Unterlagen befinden.

 

Noch in derselben Nacht wurde in meine Halle in Wolfsgraben eingebrochen. Da man sich nicht einmal die Mühe machte, die Spuren zu verwischen, verbarg ich auch dies vor meiner Gattin, da sie das Ableben von Frau Batka und die Begräbnisvorbereitungen schon genug belasteten.

 

In den folgenden Monaten wurde immer wieder Druck auf mich ausgeübt. Da wir ein Konto bei der Raiffeisenbank hatten, gab man mir eindeutig zu verstehen, dass man meine Existenz zu zerstören in der Lage wäre.

 

Da ich bereits ab 12.10.1995 an Oberst Novak, Mitarbeiter des Heeresnachrichtendienstes, wohnhaft in 3032 Eichgraben, Herrgottswinkelstraße 12, herangeführt wurde, um Informationen in einer anderen Angelegenheit über ihn zu sammeln, machte ich klar, dass ich lieber untergehen würde, als Erpressungsversuchen nachzugeben. Das ist auch heute noch meine Einstellung.

 

Schon immer war ich durch meine Familie SPÖ - lastig geprägt. Das war bekannt, deshalb konnte ich überzeugend darlegen, dass ich nichts tun würde, was der Partei schaden könnte. Ich wollte nur in Ruhe meine Firma führen.

 

Am 6.6.2002 brachte ich Petra Müller, mit der ich auch eine sexuelle Interessensgemeinschaft pflegte, zum Archiv und bat sie mir die alten Handschriften vorzulesen, wozu sie durch ihre Ausbildung in der Lage war. Ich vertraute ihr blind. Sie war neben meiner Gattin und mir die Einzige, die unbegrenzten Zugang zu allen Objekten und Tresoren durch einen Zentralschlüssel hatte.

 

2004 wurde ich in der zentralen Evidenz des BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) als V-Mann geführt (Anlage 7). Wie sie der BIA-Anzeige (Büro für Interne Angelegenheiten), welche im kompletten Umfang auf der Internetseite www.stoepselkind.at veröffentlicht ist, entnehmen können, wurde ich beauftragt, Waffen und Sprengmittel am 10.9.2004 an einen bestimmten Ort zu bringen.

 

Ich lieferte vereinbarungsgemäß 35 Handgranaten (in weiterer Folge HG genannt) (Anlage 8). Aus einem späteren Gutachten des Gerichtssachverständigen Eder, einem Kollegen der BVT Beamten, geht jedoch hervor, dass 36 HG am Übergabeort sichergestellt wurden. Dies erkennt man,  wenn man die einzelnen Positionen zusammen zählt (Anlage 9). Der Gutachter tarnt diesen Umstand jedoch damit, in dem er immer nur von 35 HG spricht. Auch auf den Fotos der sichergestellten HG vom 10.9.2004 sind 36 Stück HG abgelichtet (Anlage 10).

 

Aufgrund des Artikels in der Kronen Zeitung vom 3.5.2011 bin ich mir nun absolut sicher, dass am 10.9.2004 der erste Versuch unternommen wurde, mich zu beseitigen.

 

Für 20.9.2004 wurde ich abermals beauftragt, Waffen und Sprengmittel zu liefern. Wahrscheinlich deshalb, da der erste Anschlag fehl schlug. Da das Areal vom BVT ausgewählt wurde und es sich an einer stark frequentierten Stelle befand, musste ich Petra Müller, ein Vorstandsmitglied unseres Vereines, welche mich auch bei Büroarbeiten unterstützte, in die Übergabe mit einbeziehen.

 

Am Tag der Übergabe um 4.55 Uhr nahm die Nachbarin von Petra Müller wahr, dass ein großer Hartschalenkoffer, ohne anzuklopfen, vor ihrer Haustüre abgestellt wurde (Anlage 11). Dieser wurde trotz mehrmaliger Hausdurchsuchungen nicht sichergestellt.

 

Dass Petra Müller statt mir das Ausladen der Waffen und Sprengmittel übernimmt, wurde von uns erst unmittelbar vor der Detonation festgelegt, bei der sie ums Leben kam. Ich bin überzeugt davon, dass mir die Explosion gegolten hat. Wenn die Behörden ein ernsthaftes Interesse hätte, die wahren Umstände vom 20.9.2004 aufzudecken und nicht mehr BVT-Beamte vor strafrechtlicher Verfolgung schützen würden, wäre dies jederzeit möglich, denn Mord verjährt nie und Ermittlungen könnten jederzeit aufgenommen werden.

 

Tatsache ist, dass der damalige Staatsanwalt und heutige Präsident der Staatsanwälte Österreichs, Dr. Gerhard Jarosch, 2004 zugeteilt der inzwischen aufgelösten „politischen Abteilung der Staatsanwaltschaft Wien" involviert ist, da er die Weisung erteilte, dass die seiner Meinung nach „gefährlichen Ermittlungen der BIA" gegen die BVT Beamten unverzüglich einzustellen sind (Anlage 12). Weiters unterband er Ermittlungen der BIA gegen BVT-Beamte unter Mithilfe von Staatsanwalt Dr. Michael Klackl. Details und Aktenzahlen finden Sie in Anlage 13.

 

Was noch alles unternommen wurde um die Wahrheit zu verbergen, ist ebenfalls aus der Anlage 13 chronologisch ersichtlich. Auf diese Art und Weise versuchte man mich zu brechen und meinen Freitod herbei zuführen, damit man abschließen kann.

 

Die Ermittlungen 2004 gegen mich hatten den Zweck festzustellen, wo sich das Archiv befindet, um es sicherstellen zu können. Da diese Vorhaben nicht den gewünschte Erfolg brachte, setzte man alles daran mich „abzudrehen". Was durch die Haft gelang, mit Unterstützung meines damaligen Strafverteidigers Dr. Eichenseder, der für die Fa. Oerlikon tätig war, was jetzt festgestellt wurde. Der Artikel in der Kronen Zeitung hat mir die Augen geöffnet und die Zusammenhänge ins richtige Licht gestellt.

 

Gerne bin ich bereit über weitere Details zu sprechen. Da ich es zur Bedingung mache, dass mein Strafverteidiger, Mag. Roland Friis, www.strafverteidiger-friis.at, bei diesen Gesprächen ebenfalls anwesend ist und ich zwischenzeitlich mittellos bin, müssten seine Kosten, die für die Gesprächsteilnahme anfallen, übernommen werden.

 

Werner Neymayer

 

Anlage 1

Anlage 2

Anlage 3

Anlage 4 

Anlage 5 

Anlage 6

Anlage 7

Anlage 8

Anlage 9

Anlage 10

Anlage 11

Anlage 12

Anlage 13